Karten werden neu gemischt zum Auftakt der Play-downs

22. August 2013
Teilen:
Twitter Facebook Google+ Pinterest

Ein Baden-Württemberg-Klassiker zum Play-Down-Auftakt im Süden: Tübingen empfängt den Nachbarn aus Stuttgart (Foto: Drobny, I.)

Dank des nunmehr auch im Süden implentierten neuen, spannenderen Spielmodus finden die am Samstag startenden Play-downs in Nord und Süd ihren Anfang. Da die Siege der regulären Saison nicht mit in die Abstiegsrunde genommen werden, kann sich kein Team auf den Lorbeeren der normalen Punkterunde ausruhen. Die Karten sind also neu gemischt. Lediglich das wichtige Heimrecht in einem entscheidenden fünften Match der Serien wird durch die Platzierung der Saison vorgegeben. Somit gelten die im Norden aufgrund der Abschlusstabelle als abgeschlagen gesehenen Dortmunder und Berliner, sowie die Südteams aus Mannheim und Tübingen weiterhin als Außenseiter, jedoch immer noch mit Chancen auf den direkten Klassenerhalt.

Die Dortmund Wanderers empfangen den Tabellensechsten aus Köln zur Best-of-Five-Serie. Zeitgleich spielt der Tabellenachte Berlin Sluggers gegen die Nummer fünf Dohren Wild Farmers um den möglichen Klassenerhalt. Die Sieger dieser beiden Serien werden unter Berücksichtigung des jetzigen Tabellenplatzes Fünfter und Sechster im Endklassement. Für die jeweiligen Verlierer gibt es eine “richtige” Best-of-5-Abstiegsserie mit Relegationsplatz sieben als winkendem Rettungsanker.

Im Süden stehen sich die Tübingen Hawks und die letztlich knapp an den Top Four gescheiterten Stuttgart Reds im ersten Play-down gegenüber. Rekordmeister Mannheim Tornados bekommt es als Siebter mit den Bad Homburg Hornets zu tun. Auch hier sind die jeweiligen Sieger endgültig gerettet, während den Verlierern eine Abstiegsendspielserie ins Haus steht.

Dortmund Wanderers – Cologne Cardinals

Im letzten Jahr starteten die Dortmund Wanderers noch als Favorit in die Play-downs, in diesem sieht dies anders aus und das Abstiegsgespenst geht nun auch im Hoeschpark um. In der ersten Runde trifft der Tabellensiebte auf den Tabellensechsten, die Cologne Cardinals. Die ersten Partien werden in Dortmund ausgetragen. Die Wanderers können zwar 2013 nicht an die Leistungen der letzten Jahre anknüpfen, dank des Modus die Saison aber doch noch retten. Dennis Stechmann und Rene Herlitzius werden in den wichtigen Partien als Starting Pitcher erwartet. Offensiv setzt man vor allem auf Kevin Faries, Aljosha Heller und Daniel Groer.

Da noch nichts entschieden ist, werden die Cologne Cardinals im Dortmunder Hoeschpark alles geben müssen, um sich mit einer guten Ausgangsposition in den Rückspielsamstag begeben zu können. “Wir werden Dortmund nicht unterschätzen und wollen in der ersten Runde alles klar machen”, gibt Kölns Trainer Georg Apfelbaum die Marschrichtung vor. US-Werfer Alex Rivers zeigte im All Star Game, dass mit ihm wieder zu rechnen ist. Spielertechnisch sind die Domstädter ansonste wieder komplett. In der regulären Saison holten die Cards drei der vier Partien gegen die Wanderers, in Dortmund siegte man seinerzeit mit 8:3 und 3:2.

Berlin Sluggers – Dohren Wild Farmers

Im zweiten Play-down-Duell im Norden der 1. Baseball-Bundesliga treffen die Berlin Sluggers auf die Dohren Wild Farmers. Beide Teams trafen schon im Vorjahr in der Abstiegsrunde aufeinander, allerdings in der zweiten und entscheidenden Runde. Die Sluggers konnten dabei den Wild Farmers ein Schnippchen schlagen und sich mit einem 3-2-Sieg Platz sieben und damit den Relegationsplatz sichern. Am Ende blieb Dohren dennoch in der 1. Liga. In diesem Jahr tun sich die Berliner schwer mit den Gästen. Viermal trafen sie auf die Wild Farmers und kassierten vier Niederlagen (9:15, 0:9, 2:5, 4:10). Doch gelingt es ihnen, ihr nominell bestes Team aufzubieten, dann sollten sie dank Parsa Bergengrün und Adam Greenberg durchaus auch ihre Chancen haben.

Die Wild Farmers hingegen spielten bisher wohl ihr bestes Jahr seit ihrem Aufstieg in die 1. Baseball-Bundesliga. Am Ende der regulären Saison hatten sie zwölf Siege auf dem Konto, drei davon gegen die HSV Stealers und Bonn Capitals. Zwischenzeitlich konnten sie bei den Hamburgern gar ein paar Schweißtropfen im Rennen um Rang vier auf der Stirn hervorzaubern. Nun warten aber wieder die Play-downs. Johst Dallmann zur Erwartungshaltung vor den ersten beiden Spielen in der Hauptstadt: „Wir gehen davon aus, dass Berlin alles mobilisieren wird, was an Spielern zur Verfügung steht. Dementsprechend stellen wir uns auf zwei enge Partien ein, die wir aber beide gewinnen wollen um in Dohren nicht unter Druck zu geraten.“ Revanchegelüste nach den Niederlagen im Vorjahr gibt es keine. „Wir verstehen uns sehr gut. Die Sluggers haben beim letzten Out, als sie uns 2012 geschlagen haben, nicht einmal gefeiert oder ähnliches, aus Respekt.“ Keine Überraschung bei der Aufstellung. Alle Spieler sind fit und mit dabei. Jannis Wedemeyer und Joe Zrinzo werden als Starting Pitcher auflaufen.

Tübingen Hawks – Stuttgart Reds

Lokalduell die Dritte. 3:1 für Stuttgart lautet die Bilanz aus den vorangegangenen Duellen der beiden Nachbarn. Zuletzt trafen sich die Kontrahenten Mitte Juli, damals behielten die Reds zweimal ganz klar die Oberhand (14:4, 11:0). Beim ersten Aufeinandertreffen Anfang der Saison konnten die Tübinger noch beide Partien offen gestalten und einen Sieg zu Hause einfahren. An diese Leistung will der Aufsteiger auch in den Hinspielen der Play-Downs an diesem Wochenende anknüpfen. Die Hawks sind heiß auf den Erzrivalen. „Natürlich freuen wir uns auf das Lokalderby gegen Stuttgart“, sagt Vorstand Stefan Feldweg, der mit dem nötigen Optimismus auf das Baden-Württemberg-Derby blickt: „Wir sehen uns hier nur bedingt in der Rolle des Außenseiters, wir wissen aus der Vergangenheit, dass wir Stuttgart schlagen können.“ Bei den „Habichten“ wird dennoch alles zusammen passen müssen, wenn man sich gegen den Tabellenfünften durchsetzen will. Vor allem die wackelige Defensive gilt es für Tübingen zu verbessern.

Bei den ambitioniert in die Saison gestarteten Stuttgartern keimte kürzlich nochmal Hoffnung im Kampf um den vierten Play-off-Platz im Süden auf. Nach zwei Siegen gegen den direkten Konkurrenten aus Haar hatten sich die Bad Cannstätter ihre Chancen erhalten. Das harte Restprogramm gegen Regensburg und Mainz verhinderte aber einen Schlussspurt der Schwaben. Am Ende stand eine ausgeglichene Bilanz von 14:14-Siegen für den Aufsteiger des Vorjahres zu Buche. Platz fünf war während der gesamten Spielzeit nie in Gefahr. Alles in allem spricht man bei den Reds, trotz der Anfang des Jahres geäußerten Ziele, die K.o.-Runde zu erreichen, von einer gelungenen Saison. Diese will das Team um Spielertrainer Matti Emery nun mit drei Erfolgen gegen den Lokalrivalen abrunden. Unklar ist allerdings, ob Star-Werfer Richard Olson in diesem Jahr noch einmal auf den Werferhügel steigen wird. Der Ausfall eines der besten Pitcher der Liga wäre ohne Frage eine enorme Schwächung für die Stuttgarter.

Die Kohlen aus dem Feuer holen soll daher vor allen Dingen Thomas de Wolf. Der Belgier schloss sich in der zweiten Saisonhälfte den Reds an und übernahm sofort eine tragende Rolle im Team. Doch genau diese Personalie sorgt für zusätzliche Brisanz im Derby. De Wolf begann die Saison bei den Hawks, verließ Tübingen allerdings nach ein paar Wochen, nur um wenig später seine Zelte etwa 40 Kilometer weiter nördlich in der Landeshauptstadt aufzuschlagen. „Der Wechsel von de Wolf nach Stuttgart tat uns natürlich weh, da haben wir auch noch eine Rechnung offen“, erklärt Feldweg. Schon vor einigen Wochen hatten die „Habichte“ Protest gegen den Wechsel des Belgiers eingelegt. „Wir warten immer noch auf eine Entscheidung des DBV“, so Feldweg weiter. An Zündstoff mangelt es also nicht.

Mannheim Tornados – Bad Homburg Hornets

Hinter den Mannheim Tornados liegt eine beschwerliche Saison. Der Rekordmeister fand sich von Beginn an am Tabellenende wieder und konnte erst durch einen Doppelsieg am letzten Spieltag gegen Tübingen den siebten Platz sichern. Die junge Truppe von Spielertrainer Matt Kemp verzichtete (bis auf Kemp) komplett auf ausländische Importe. Die fehlende Erfahrung spiegelte sich auch in der Bilanz von nur vier Siegen bei 22 Niederlagen wieder. „So schwer wie dieses Jahr hatten wir es noch nie in Mannheim“, gesteht Outfielder Dominik Höpfner. Als einer der erfahreneren Spieler erlebte Höpfner schon weitaus bessere Zeiten in der Kurpfalz. Dennoch gewinnt der 28-Jährige der Saison auch Positives ab: „Für viele Jungs war es die Chance ihres Lebens, schon sehr früh sehr viele Bundesliga-Einsätze zu sammeln. Diese Erfahrung wird ihnen in den kommenden Jahren zu gute kommen.“ Gegen Bad Homburg gilt es nun die gewonnenen Erkenntnisse in die Waagschale zu werfen. Andernfalls droht dem elffachen Deutschen Meister ein böses Erwachen. „Ich denke, wir haben ganz gute Chancen gegen Bad Homburg“, zeigt sich Höpfner zuversichtlich. Die Tendenz bei den Tornados ging in den vergangenen Wochen nach oben. Gegen die Play-off-Teilnehmer Heidenheim und Haar setzte es teils nur knappe Niederlagen. Die Bilanz gegen die Hornets ist mit 2:2 ausgeglichen. „Unsere Pitcher werden uns im Spiel halten und solange die Defense sicher steht, sehe ich keinen Grund, warum wir verlieren sollten“, ergänzt Höpfner.

Optimistisch gehen auch die Gäste aus Bad Homburg in das Duell mit Mannheim. Die „Hornissen“ blicken auf ihre bisher erfolgreichste Bundesliga-Saison in der Vereinsgeschichte zurück. Acht Siege stehen 20 Niederlagen gegenüber, das sind mehr Erfolge als in den letzten beiden Spielzeiten zusammen. Drei weitere Siege trennen den Aufsteiger von 2011 noch vom neuerlichen Klassenerhalt. Trotz der ausgeglichenen Bilanz gegen den Rekordmeister konnten die „Hornissen“ den direkten Vergleich während der regulären Saison mit 26:18-Punkten für sich entscheiden. Das zählt beim neuen Play-down-Modus freilich nichts mehr, aber Selbstvertrauen sollten die Schützlinge von Trainer Roland Spitzegger dadurch mitbringen. Wenngleich der Optimismus bei den Kurstädtern am letzten Spieltag einen gehörigen Dämpfer erlitt. Nach dem 11:8-Coup gegen die Mainz Athletics musste das Spitzegger-Team eine herbe Doppelniederlage beim Letzten Tübingen einstecken. „Ich bin nicht unglücklich darüber, das war ein Weckruf zur richtigen Zeit“, verkündet Spitzegger. Der Coach mahnt zugleich von der bevorstehenden Aufgabe gegen die jungen Tornados: „Mannheim wird auch wieder eine schwierige Aufgabe, aber wir werden alles daran setzen, dass unsere Saison nach dem 1.9. vorbei ist.“ Die „Hornissen“ können dabei aus dem Vollen schöpfen. Als Starting Pitcher sind wie immer Kyle Waddell und Elliott Glynn gesetzt.

Veröffentlicht in: Featured in Slider, Vorschau
Veröffentlich von: Matthias Slovig. Matthias Slovig bei kontaktieren