Matt Vance: Die Serie wird dem deutschen Baseball noch lange im Gedächtnis bleiben

11. Dezember 2013
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Der Regensburger Matt Vance wurde im Finale als MVP ausgezeichnet. Der Amerikaner holten in fünf Jahren bei den Legionären bereits den vierten Titel (Foto: Freiesleben, A.)

Vergangene Woche haben die Buchbinder Legionäre in einem spannenden fünften Spiel der Finalserie in der 1. Baseball-Bundesliga ihren Deutschen Meistertitel gegen die Solingen Alligators erfolgreich verteidigt. Nach den Partien wurden Dominik Wulf (Solingen Alligators) als Best Batter und Justin Kuehn (Buchbinder Legionäre Regensburg) als Best Pitcher der Serie ausgezeichnet. Die Trophäe des wertvollsten Spielers (MVP) ging an den Shortstop der Legionäre. Matt Vance lieferte im Feld über fünf Partien starke Leistungen ab, darunter ein wahrscheinlich spielentscheidender Catch im fünften Spiel. Sein Homerun im zweiten Spiel der Serie brachte die Regensburger in die Erfolgsspur zurück nachdem Andre Hughes und die Alligators die erste Partie für sich entschieden hatten. Baseball-Bundesliga.de sprach mit dem Amerikaner über das Finale und seine mittlerweile fünfte Saison in Deutschland.

Du spielst seit 2009 in der Bundesliga bei Regensburg. Wie hast Du das erste Mal von den Legionären erfahren und wie konnten sie Dich überzeugen in Deutschland Baseball zu spielen?

Matt Vance: Ich wollte schon vorher den Sprung nach Europa wagen und so brauchte es nicht viel Überzeugungskraft von Seiten der Legionäre. Nachdem es in den USA nicht mit einer professionellen Baseballkariere geklappt hatte, habe ich für ein Jahr gearbeitet, aber ich habe den Sport schnell vermisst. Der Vater meines Mitbewohners an der Uni, Jeff Stoeckel (Paris UC Head Coach in 2012), hatte schon viel Scouting Erfahrung. Also habe ich mich mit Ihm in Verbindung gesetzt und nach seiner Meinung gefragt ob ich nach Europa passe. Und ob er mir helfen könnte ein Team zu finden.

Glücklicherweise suchten die Legionäre nach einem Shortstop für die Saison 2009. Und ich habe mich in Deutschland verliebt seit ich aus dem Flugzeug gestiegen bin und die Howard-Brüder mir erfolgreich einen Schrecken eingejagt haben in dem sie mit knapp 200 km/h über die Autobahn gefahren sind.

Die meisten amerikanischen Spieler bleiben nur eine Saison in der Bundesliga. Du hast gerade Deine fünfte Saison hier beendet. Was hat dich dazu gebracht in Regensburg zu bleiben?

Vance: Es waren mehrere Faktoren, aber die Entscheidung ist mir leicht gefallen. Nach meiner ersten Saison wusste ich, dass Regensburg zu mir passt und ich es liebe hier Baseball zu spielen. Die Stadt ist toll, nicht zu groß und durch die Universität sind viele junge Leute hier und somit immer was los. Ich hatte noch nie so viel Spaß Baseball zu spielen, wie hier. Alle üben den Sport aus, weil sie Baseball lieben. Das ist mir hier besonders aufgefallen. Seit ich 14 war habe ich nur gespielt um den nächsten Level zu erreichen. Aber hier, mit Ausnahme einiger junger Spieler, spielen die meisten aus purer Freude am Baseball. Das war sehr erfrischend und hat ehrlich gesagt meine Leidenschaft und Dankbarkeit für den Sport zurückgebracht, die davor einige Zeit nicht vorhanden war. Es war und ist mir eine Ehre für dieses Team und Martin Helmig in den vergangenen fünf Jahren zu spielen.

Aber es geht im Leben nicht nur um Baseball und so habe ich nach der Saison 2010 angefangen Vollzeit zu arbeiten. Nach der Saison 2011 habe ich meine Freundin hier kennengelernt und letztes Jahr sind wir zusammengezogen. Und bevor ich es gemerkt habe, nenne ich Regensburg nun meine Heimat und ich habe keine Eile dies zu ändern.

Als Dich die Legionäre zur Saison 2009 vorgestellt haben stand bei Deinem Beruf Drehbuchautor. Was machst Du mittlerweile in der Baseballfreien Zeit während der Saison und in der Off-Season? Bleibst Du den Winter in Deutschland oder geht es doch zurück in die USA?

Vance: In meinem ersten Jahr habe ich noch für meinen alten Chef gearbeitet und bin in der Off-Season zurück in die Staaten und habe noch einen Winter für ihn gearbeitet um verschiedene Projekte zu Ende zu bringen, die wir zuvor angefangen hatten. Aber als ich mein zweites Jahr hier verbracht habe wusste  ich, dass ich hier einen Job finden muss um mich zu finanzieren und natürlich muss ich ja auch meinen hart erarbeiteten Abschluss einsetzen.

Nach der Saison 2010 habe ich bei der Kupferwerk GmbH angefangen als Praktikant und bei der Erstellung von Konzepten und Präsentationen geholfen. Und nun arbeite ich dort Vollzeit, später im Projektmanagement und mittlerweile im Qualitätsmanagement. Ich lebe also das ganze Jahr in Regensburg und schaffe es nur für eine paar Wochen um Weihnachten und zu besonderen Anlässen zurück in die alte Heimat.

Baseball ist für mich mittlerweile ein Form der Entspannung geworden. Egal wie schwer der Arbeitstag war, ich weiß, dass ich gegen 18 Uhr zum Stadion kann und für ein paar Stunden entweder Groundballs nehmen kann oder am Schlag trainiere und so alles andere einfach vergessen kann.

Du hast mittlerweile viele verschiedene Pitcher in Deutschland gesehen. Welcher hat Dir diese Saison das Leben am schwersten gemacht und sind Deine Finalgegner Andre Hughes oder Nick Renault auf der Liste?

Vance: Alle haben mal gute und mal schlechte Tage. Wenn du an einem deiner schlechten Tage auf einen Pitcher mit einem guten Tag triffst, dann kann man sich auf einen langen Tag gefasst machen. Aber es gibt immer einige Pitcher hier und auch in jeder Liga, gegen die es auch an einem ihrer schlechten Tage schwer wird. Hughes‘ Leistungen im Finale und Renaults Leistung im Vorjahr als Disciple, als er fast einen No-Hitter gegen uns geworfen hat, gehören auf jeden Fall dazu. Pat Haugen (Mainz Athletics) ist einer der besten „Gamer“, die ich je gesehen habe und wenn er fit ist, dann gehört er zu den Besten. Auch erwähnt gehören Brian Fields (Haar Disciples) und Richard Olson (Stuttgart Reds) für ihre starke Saisonleistung. Aber ich bin auch sehr froh, dass ich gegen unsere Pitcher nur im Training ran muss. Von den Jungs gehören auch einige zu diesem Kreis.

Das entscheidende Play im fünften Spiel der Finalserie. Der Catch verhinderte ein Solinger Comeback und half den Legionären auf dem Weg zur Titelverteidigung (Foto: Eisenhuth, G.)

Nach dem Sweep gegen die Untouchables Paderborn im vergangenen Jahr habt ihr dieses Jahr im Finale gegen Solingen zweimal zurückgelegen. Dann ging es auch noch gegen Andre Hughes im fünften Spiel gegen den ihr zuvor nicht gewinnen konntet. Was hat am Ende den Ausschlag gegeben im letzten Spiel und schlussendlich in der Finalserie, dass Regensburg gegen Solingen gewinnen konnte?

Vance: Ich glaube unsere Erfahrung spielt beim Finalsieg eine große Rolle. Seit ich hier bin haben wir drei der vier Titel erst im fünften Spiel vor heimischer Kulisse gewonnen. Und oftmals lagen wir zurück und mussten das Spiel drehen. Wenn man weiß, dass man ein solches Comeback schaffen kann, dann spielt man viel selbstbewusster. Ich glaube eine menge Leute haben geglaubt das Spiel sei vorbei als wir 1:5 zurücklagen. Aber wir waren schon mal in so einer Situation und wussten, dass wir zurückkommen. Wir haben einfach weiter unser Spiel gespielt, sind nicht verkrampft und haben uns ins Spiel zurückgekämpft.

Du hast starke Leistungen in der Defensive gegen Solingen, vor allem im letzten Spiel, gezeigt und hattest im zweiten Spiel der Serie einen wichtigen Homerun gegen Renault. Was war für Dich wichtiger?

Vance: Ich glaube die Defensive war wichtiger. Unsere Philosophie war und ist es schon immer gewesen, dass Defensive und Pitching die Spiele gewinnt. Ein wichtiges Play oder ein Fehler kann ein Spiel für oder gegen Dich entscheiden. Der Catch im fünften Spiel hat uns aus einer schwierigen Situation befreit und wir konnten dieses Momentum mit in das nächste Halbinning nehmen und noch ein paar Punkte erzielen.

Dein Diving Catch im fünften Spiel hat die erneute Solinger Führung verhindert. Sind Dir irgendwelche anderen Gedanken durch den Kopf gegangen, außer: „Den muss ich unbedingt fangen“?

Vance: Das erste was mir durch den Kopf ging war wahrscheinlich: „Oh, Scheiße!!“. Aber als ich mich gedreht habe, wusste ich, dass ich den kriegen kann. Ich habe kurz zu Howie (Anm. d. Red.: Philipp Howard) gesehen und wusste, dass er nicht eingreifen kann und ich ihn fangen muss. Direkt nachdem ich den Ball gefangen habe sind wir beide ein wenig zusammengeprallt und sein Knie hat beinahe den Ball noch aus dem Handschuh gehauen, aber Gott sei Dank ist das nicht passiert.

Und was ging Dir durch den Kopf als Du als Most Valuable Player nach dem Spiel aufgerufen wurdest?

Vance: Es war eine große Ehre für mich der MVP im Finale zu sein. In wichtigen Spielen willst Du immer gut spielen für dein Team. Aber genauso hätten es eine Menge anderer Jungs im Team auch verdient die Auszeichnung zu bekommen. Die Serie war ehrlich gesagt eine geschlossene Mannschaftsleistung. Alle haben das Beste gegeben als es darauf ankam. Es war eine Serie, die uns und dem deutschen Baseball noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Du warst schon MVP der regulären Saison 2010 und dieses Jahr MVP im Finale. Dazu kommen noch vier Meistertitel in fünf Jahren. Was steht für nächste Saison auf dem Programm?

Vance: Nächste Saison müssen wir genauso hart, wenn nicht sogar noch härter, arbeiten um weiter oben zu bleiben. Die Teams in der Liga werden von Jahr zu Jahr besser und wir wissen, dass wir das Team sind, das sie entthronen wollen. Ich denke wir haben dieses Jahr gezeigt wir sehr wir weiter oben bleiben wollen und wir hart wir dafür arbeiten wollen. Wir lagen zu Beginn der Saison zurück und haben uns zurückgekämpft. Dann lagen wir im Finale zurück und haben uns zurückgekämpft. Nur weil wir jetzt schon vier Meistertitel geholt haben, heisst das nicht, dass wir es nicht weniger wollen als die anderen Teams, die länger keinen Titel geholt haben. Natürlich müssen wir von Spiel zu Spiel genken, aber unser Ziel bleibt es wieder den Titel zu holen.

Außerdem denke ich, dass wir in der nächsten Saison einen besseren Auftritt im Europa-Cup hinlegen wollen. Ich hoffe, dass wir die Sache ein wenig entspannter und selbstbewusster angehen können als in den Jahren zuvor und hoffentlich führt das auch zum Erfolg.

 

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Veröffentlich von: Matthias Slovig. Matthias Slovig bei kontaktieren