Solingen lechzt nach dem Titel

19. September 2013
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Mächtiger Schwung von Kai Gronauer, der US-Profi ist auf Heimaturlaub bei der Endspielserie (Foto: Eisenhuth, G.)

Nach dem Kraftakt gegen die Heideköpfe gilt es für die Solingen Alligators am Samstag in der Armin-Wolf-Arena die Zeit zurückzudrehen. Genauer gesagt ins Jahr 2006, als die Bergischen letztmals ins Finale vordrangen und ihren ersten und bis heute letzten Meistertitel zelebrierten. Sieben Jahre ist das nun her und die Erinnerung an den größten Triumpf noch spürbar. Bei André Hughes zum Beispiel, der damals 21 Jahre alt war und in der kurzen Serie zwei Siege vom Mound beisteuerte. Auch Dominik Wulf, Moritz Buttgereit, Jens Cornelsen und Julian Steinberg trugen damals schon das Solinger Dress. Und nicht zu vergessen US-Profi Kai Gronauer sowie last but not least der heutige Headcoach Norman Eberhardt.

In drei Spielen (5:1/8:3/4:0) setzten sich die Klingenstädter seinerzeit gegen die Legionäre durch und feierten ihr Baseball-Sommermärchen. Seither ist viel passiert. Solingen war zwar ein ständiger Gast in den Play-offs, kam aber – auch wegen des Abgangs von Enorbel Marquez – nicht mehr über das Halbfinale hinaus. Die Erfolgsgeschichte der Legionäre ist nicht zuletzt durch den dreifachen Titelgewinn seit 2010 ausreichend dokumentiert.

Vor der Saison waren sich die Solinger Verantwortlichen darüber einig, dass ein weiterer Anlauf auf den Titel personelle „Vorarbeiten“ erforderte. Eberhardt brauchte einen starken zweiten Werfer, den die Bergischen seit den Marquez-Tagen nicht mehr hatten. Der im Jahr zuvor in Haar tätige, dann aber im Unfrieden geschiedene Nick Renault erwies sich als Glücksgriff und wurde mit Abstand bester Werfer der Nordgruppe. Auch in den Viertelfinals gegen Haar und im Halbfinale gegen Heidenheim lieferte Renault Bestleistungen ab und verhalf seiner Mannschaft zu vier Siegen und dem jeweiligen Weiterkommen. Renaults vermeintliche Unbezwingbarkeit ist für Solingen auch in Regensburg fest eingeplant. Für die Alligators spricht auch, dass sich André Hughes nach einer kleinen Formdelle im Frühsommer gegen Heidenheim wieder stark zurückmeldete und das wichtige Spiel drei gewann. Das sieht Eberhardt genau so: „Schlüssel zum Weiterkommen war sicher der Sieg in Spiel drei. Hughi hat aber nicht nur hier in Solingen eine super Leistung abgeliefert, auch in Heidenheim war er schon klasse“, betont der Coach.

In der Rückschau aufs Halbfinale erklärt Eberhardt noch einmal die Gründe für den Erfolg seines Teams: „Heidenheim hat sich in der Defensive etwas ‘gehen’ lassen und offensiv nicht die Durchschlagskraft gehabt, die sie brauchen um eben diese Schwäche in ihrem Spiel zu kompensieren. Wir allerdings haben gerade defensiv herausragend gespielt. André Hughes, Julian Steinberg, Nick Renault und David Selsemeyer haben in dieser Serie Unglaubliches geleistet.“ Man habe die gefürchtete Heidenheimer Offensive bei nur sieben Runs in 36 Innings gehalten. Zum Vergleich: Regensburg gab in den vier Partien der regulären Spielzeit 33 Runs gegen die Männer von der Ostalb preis. Wichtig Info am Rande: Solange die beiden Starter des Nordchampions auf dem Wurfhügel stehen, ist alles prima im Land der Klingen. Muss jedoch das Relievercorps (Jens Cornelsen, Theon Bourdaniotis, Sebastian Bernhards) die Kohlen aus dem Feuer holen, verbrennen sich die Solinger schon mal die Finger, wie zuletzt im Viertelfinale in Haar zu beobachten war.

Ungeschlagen seit Anfang Juni: Nick Renault will seine Topform auch in Regensburg unter Beweis stellen (Foto: Eisenhuth, G.)

Dennoch: eine enorme Aufwertung erhielten die Bergischen zuletzt durch die Personalie Gronauer, der nach Ende der US-Saison Heimaturlaub macht und seine Solinger Jungs mal eben unter die Arme griff. „Kai hat uns offensiv natürlich einen Schub gegeben. Allein seine bloße Anwesenheit im Lineup macht es dem Gegner schwer, unbeschadet durch die Batting Order zu kommen. Dazu kommt, dass er mit seiner Erfahrung eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt. Das färbt auf die Mitspieler ab“, schwärmt der Trainer vom Nationalteamcatcher, der jedoch „nur“ eine offensive Rolle einnimmt und die beiden etatmäßigen Catcher der Alligators bisher nicht ersetzte.

„Ich denke, dass wir dieses Jahr gegen Regensburg nicht mehr der Außenseiter sind. Wir haben jetzt bewiesen, dass wir in der Lage sind, einer Klassemannschaft große Probleme zu bereiten. Wenn wir die Leistung aus der Heidenheim-Serie bestätigen, werden wir auch in Regensburg etwas mitnehmen, um dann in Solingen den Titel klar zu machen. Das ist das Ziel.“ Womit auch gleich gesagt ist, dass die Solinger nicht unbedingt auf ein fünftes Spiel in Regensburg setzen. Für jenes entscheidende Spiel stünde natürlich wieder ein André Hughes parat. Der in der Nationalteam-Vergangenheit – haben aufmerksame Statistiker ermittelt – ja so seine Problemchen mit diesem Stadion hatte.

Kein Wunder, dass Eberhardt die Ansetzung der Partien zusagt: „Wir haben so die Möglichkeit in Solingen Meister zu werden. Der ganze Verein, die Fans und die Mannschaft lechzen quasi danach.“ Bis dahin könne sich Baseball-Deutschland auf ein paar tolle und stimmungsvolle Baseballspiele freuen, verspricht Eberhardt ein Spektakel.

Fünf gute Gründe warum Solingen am Ende Deutscher Meister wird:

  • Regensburg unterlag Heidenheim in drei von vier Partien, Solingen schlug Heidenheim in drei von vier Partien
  • Nick Renault ist im zweiten und ggf. vierten Spiel nicht zu knacken
  • André Hughes ist rechtzeitig in Topform und überwindet seine vermeintliche Armin-Wolf-Arena-Schwäche
  • Donald Lutz spielt nicht für die Legionäre, Kai Gronauer aber für die Alligators
  • Der Norden ist einfach mal wieder dran und stellt in diesem Finale die bessere Offensive
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Veröffentlich von: Matthias Slovig. Matthias Slovig bei kontaktieren