Verfolger machen den Anfang / Legionäre unter Flutlicht

02. Mai 2013
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Nur in Regensburg gehen an diesem Wochenende die Lichter an. (Foto: Keller, W.)

Hinter Deutschland liegt eine ereignisreiche Baseball-Woche. Alles überstrahlt hat dabei die Berufung von Donald Lutz in das Major-League-Team der Cincinnati Reds. Der ehemalige Bad Homburger und Regensburger gab als erster Deutscher sein Debüt in der MLB. Die schlaflosen Nächte werden sich möglicherweise auch am anstehenden Bundesliga-Spieltag noch bemerkbar machen. Doch nicht nur in den USA wurde fleißig auf den Ball gekloppt. Am Tag der Arbeit standen im Süden Deutschlands ebenfalls zwei Partien auf dem Programm. Die Buchbinder Legionäre und die Bad Homburg Hornets treffen am Samstagabend und am Sonntagnachmittag zum zweiten Mal binnen vier Tagen aufeinander. Ansonsten bleiben die Flutlichter an diesem Wochenende aus. Am Samstag finden wie in alten Tagen drei Doubleheader statt. Die ungeschlagenen Mainz Athletics wollen bei den aufstrebenden Stuttgart Reds den Legionären Feuer unterm Helm machen. Im Verfolgerduell empfangen die Haar Disciples die Heidenheim Heideköpfe und Mannheim hofft gegen Tübingen auf den nächsten Schritt aus der Krise. Play Ball bei allen drei Begegnungen ist am Samstag um 13 Uhr.

Stuttgart Reds – Mainz Athletics

Am Schnarrenberg in Bad Cannstatt findet das vielleicht interessanteste Duell des Wochenendes statt. Sowohl die Stuttgart Reds als auch die Mainz Athletics haben in der laufenden Saison bereits ihr Potential unter Beweis gestellt. Das Erreichen der Playoffs ist das erklärte Ziel der beiden Kontrahenten.

Die Stuttgarter sorgten in dieser Saison schon mehr als einmal für gehöriges Aufsehen. Zum Saisonstart brachten sie die Buchbinder Legionäre an den Rand einer Niederlage. Am letzten Wochenende folgte dann der Paukenschlag. Mit 20:4 schossen die Reds Lokalrivale Heidenheim aus deren Stadion. Betrachtet man diese beiden Spiele, so muss der Split beim schwächelnden Rekordmeister aus Mannheim am Tag der Arbeit schon fast als Enttäuschung gewertet werden. Nach dem 3:2 und 1:3 in der Kurpfalz belegt das Team von Spielertrainer Matti Emery mit 2:4-Siegen Tabellenrang fünf. Die bisher guten Leistungen spiegelt dieses Bild nicht unbedingt wieder. Ein überragendes Jahr in der Offensive hat bisher Sascha Lutz vorzuweisen. Der Nationalspieler bringt es auf einen Schlagdurchschnitt von .727. Unterstützt wird der ältere Bruder von Neu-MLB-Profi Donald Lutz von Chris Beck und Emery. Auf dem Werferhügel feierte Markus Winkler am Mittwoch ein gelungenes Comeback als Starter. Abzuwarten bleibt allerdings, wer die Werfer-Last gegen Mainz nach nur zwei Tagen Pause tragen wird, um in der Tabelle nach oben zu klettern.

Mit den A’s gastiert alles andere ein Punktelieferant in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Das Team von Trainer Uli Wermuth ist in dieser Spielzeit noch ungeschlagen und belegt mit einer Bilanz von 4:0-Siegen hinter Regensburg Platz zwei. „Über diesen Start bin ich sehr glücklich“, freut sich Wermuth. Die Mainzer mussten am Tag der Arbeit nicht ran und kommen somit ausgeruht nach Stuttgart. Mit Sicherheit ein Vorteil für die Grün-Gelben. Zudem haben die Athletics nach dem überzeugenden Doppelsieg gegen die Tübingen Hawks am vergangenen Wochenende Rückenwind. Im Angriff wird die junge Mannschaft angeführt von den Nationalspielern Max Boldt und Kevin Kotowski. Das Prunkstück der Rheinhessen ist aber von je her das Pitching. Allen voran Pat Haugen lehrt den gegnerischen Schlagleuten reihenweise das Fürchten. Bei seinen beiden bisherigen Auftritten verbuchte der US-Boy sage und schreibe 29 Strikeouts. Mit Christian Decher fand sich zudem ein passendes Gegenstück für Spiel eins.

Haar Disciples – Heidenheim Heideköpfe

Die Haar Disciples scheinen den turbulenten Winter gut verkraftet zu haben. Nach zwei Trainerwechseln und dem Abgang einiger Leistungsträger starteten die Münchner Vorstädter mit einem Doppelsieg in das Jahr 2013. Mit Verspätung absolvierte das Team von Neu-Coach Keith Maxwell erst am vergangenen Wochenende den Saisonauftakt. Die „Jünger“ konnten zwei knappe Erfolge (7:6, 5:4) gegen die Bad Homburg Hornets feiern.

Mit insgesamt 18 Hits präsentierte sich die Offensive in durchaus beachtlicher Frühform. Last-Minute-Neuzugang Lorenzo Dadynoel zeigte mit sechs Treffern sogleich eindrucksvoll sein Können. Der Shortstop war es auch, der in der ersten Partie mit seinem Walk-Off-Hit den moralisch äußerst wichtigen ersten Saisonsieg sicherstellte. Unterstützt wird der US-Amerikaner von seinem Landsmann Josh Petersen sowie Michael Stephan und Tony Younis. Die Baustelle der Haarer ist wohl das Pitching. Durch die Verletzung von Gregor Klinc ist die Werferriege der Lila-Gelben noch dünner besetzt. Der Ex-Paderborner Brian Fields ist als Alleinunterhalter in der zweiten Partie der Fels in der Brandung. Die erste Begegnung begann in der Vorwoche Lukas Steinlein. Der etatmäßige Infielder machte sein Sache gut, hatte bei sechs Walks gegenüber vier Strikeouts aber auch gewisse Probleme. Zusammen mit Oldie Paco Garcia wird Steinlein aller Voraussicht nach bis auf Weiteres die Hauptlast an Innings tragen.

Mit den Heidenheim Heideköpfen kommt der erste dicke Brocken für die Haarer nach Eglfing. Der Meister von 2009 hat sich im Winter vor allen auf den Ausländer-Positionen enorm verstärkt. Zusammen mit den langjährigen Leistungsträgern Simon Gühring und Robert Gruber zählt die Mannschaft von Trainer-Rückkehrer Mike Hartley in jedem Fall zu den Top-Favoriten in diesem Jahr. Umso lauter schallte die 4:20-Heimklatsche gegen Stuttgart zum Saisonauftakt durch die Baseball-Republik. Für die HSBler war es die höchste Niederlage in ihrer Bundesliga-Geschichte. Bei Ex-US-Profi Martin Dewald lief auf dem Werferhügel gar nichts zusammen. Und auch die mit Vorschlusslorbeeren überhäufte Angriffsabteilung der Heideköpfe erreichte ihr Potential nicht im Entferntesten. Immerhin bewiesen die Mannen von der Brenz Moral. Angeführt von Neuzugang Jack Frawley schlugen die Heidenheimer in der zweiten Partie gegen den Lokalrivalen zurück und feierten mit 5:1 ihren ersten Saisonsieg. Womöglich war die Schlappe für die Mannschaft von der Ostalb der Weckruf. Trainer Mike Hartley weiß: „Auf jeden Fall wartet noch eine Menge Arbeit auf uns.“ Beim letztjährigen Viertelfinalisten können die Heideköpfe unter Beweis stellen, dass die Auftaktpleite nur ein einmaliger Ausrutscher war.

Mannheim Tornados – Tübingen Hawks

Was vielerorts erwartet wurde, hat sich in den ersten Wochen der Saison bewahrheitet: Die Mannheim Tornados stehen vor einer ganz schweren Saison. Der Rekordmeister hat den Glanz vergangener Tage verloren. Zu schwer wiegen die Abgänge des Winters, zu groß sind die Lücken, die Leistungsträger wie Sascha Lutz hinterlassen haben. Die stark verjüngte Truppe von Spielertrainer Matt Kemp zahlte in den ersten Partien bereits ordentlich Lehrgeld.

Zu Gute halten muss man den Kurpfälzern allerdings, dass das Auftaktprogramm alles Andere als leicht war. Den beiden bitteren Heimpleiten gegen Mainz folgten die mehr oder weniger einkalkulierten Schlappen beim Serienmeister aus Regensburg. Nicht weniger als 45 Punkte musste die Defensive der Mannheimer in diesen vier Partien hinnehmen. Daran konnte auch Kemp selbst nichts ändern, der als Starting Pitcher in Spiel zwei bisher nicht an die Form von vor zwei Jahren im Trikot der Dortmund Wanderers anknüpfen konnte. Daher war die Freude bei dem US-Amerikaner auch groß, als seine Schützlinge in Spiel zwei gegen Stuttgart endlich den ersten Erfolg (3:1) feiern konnten. „Die Mannschaft hat sich im zweiten Spiel belohnt, ich bin sehr zufrieden“, sagte Kemp dem „Mannheimer Morgen“. Noch mehr dürfte den Trainer gefreut haben, dass seine Werferriege gegen die starke Stuttgarter Offensive nur vier Zähler zuließ. Der junge Anton Helmig rechtfertigte das Vertrauen seines Coaches und vor allem Jan-Niclas Stöcklin weckte mit 13 Strikeouts die Hoffnung auf Besserung.

Gegen die Tübingen Hawks haben die Mannheimer eine enorm wichtige Standortbestimmung vor der Brust. Der Aufsteiger verlor die ersten beiden Partien nach seiner Bundesliga-Rückkehr bei den Mainz Athletics. Mit 0:7 und 2:6 hielten sich die Niederlagen aber durchaus im Rahmen, so dass man gespannt sein darf, was die Schwaben in dieser Saison noch im Stande sind, zu leisten. In Mainz wies in erster Linie die Werferriege der „Habichte“ ihre Bundesliga-Tauglichkeit nach. Beide Partien konnte das Team von Trainer Wesley Blunt lange Zeit offen gestalten. Die Starter Thomas de Wolf und Joshua Hodges hielten die Angriffsreihe der Mainzer weitestgehend kurz. Erst gegen Ende wurde die fehlende Tiefe im Pitching Staff deutlich, wodurch die Doppelniederlage nicht verhindert werden konnte. Die Offensiv-Abteilung der Hawks ließ dagegen noch Luft nach oben. Neun Hits stellen in 18 Innings eher eine durchschnittliche Ausbeute dar. Grund zur Sorge waren außerdem die 27 Strikeouts, die sich die Tübinger Schlagleute gegen Mainz einhandelten. Das mag auf die fehlende Praxis auf Bundesliga-Niveau zurückzuführen sein. Allzu lange sollte die Eingewöhnungszeit des Neulings aber nicht dauern, will man sich nicht schon früh in der Saison in den unteren Gefilden einnisten.

Buchbinder Legionäre Regensburg – Bad Homburg Hornets

Nur zwei Tage nach dem ersten Aufeinandertreffen der Buchbinder Legionäre und der Bad Homburg Hornets kommt es zum erneuten Duell. Erst am Mittwoch traten die beiden Teams in der Kurstadt gegeneinander an. Die Regensburger entschieden die erste Episode des Zweiteilers ohne Probleme für sich. Mit 11:0 und 12:2 fertigte der amtierende Meister die „Hornissen“ ab.

Ohne Richard Klijn, Johannes Jung und Christoph Zirzlmeier spulten die Oberpfälzer unaufgeregt ihr Pensum ab. In der Offensive glänzten Jungstar Maik Ehmcke und der ehemalige Bad Homburger Ludwig Glaser. Auf dem Werferhügel wechselte Trainer Martin Helmig ob des Doppelspieltags munter durch. Die Werfer-Last der Regensburger verteilte sich auf insgesamt sechs Schultern, so dass Helmig wohl auch am Wochenende aus dem Vollen schöpfen kann. Die Legionäre sind nach sechs Partien noch ungeschlagen. Nach einem holprigen Auftakt gegen Stuttgart zeigt die Tendenz des Titelverteidigers ganz klar nach oben. Zudem verbreitet die Vorfreude auf die Regensburger Maidult in einer Woche noch zusätzlich gute Laune. Die Gastgeber ließen sich dafür etwas Besonderes einfallen. Alle Fans, die in traditioneller Tracht in der Armin-Wolf-Arena erscheinen, bekommen freien Eintritt. Eine volle Hütte mit bayerischem Ambiente dürfte damit garantiert sein.

Dass die Bad Homburger sich deswegen neu einkleiden, ist zu bezweifeln. Auch die Spielverlegung, die den Hornets vier Spiele in vier Tagen bescherte, stieß wohl nicht auf allzu große Begeisterung im Taunus. Trainer Roland Spitzenegger schonte daher am Mittwoch bereits seine beiden etatmäßigen Starting Pitcher Elliot Glynne und Kyle Waddell. Das US-Duo konnte bei den beiden knappen Niederlagen zum Saisonauftakt gegen die Haar Disciples überzeugten. Dennoch steht der Aufsteiger von 2011 ohne Sieg am Tabellenende. Diese Bilanz ausgerechnet gegen die übermächtigen Legionäre aufzubessern, scheint utopisch. Immerhin können sich die Hessen mit den Regensburgern über ihren gemeinsamen Ex-Spieler Donald Lutz austauschen.

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Veröffentlich von: Matthias Slovig. Matthias Slovig bei kontaktieren